25. Okt.

Herbstfahrt 2004: Eisenach

Montag, 25. bis Samstag, 30. Oktober gegen 20:30 Uhr

Treffpunkt: 
Parkplatz Sport- und Freizeitzentrum Willich
Alter: 
8–14 Jahre
Eigenbeteiligung: 
135 €
Betreuer: 
Monika, Günter
Jugendherberge Artur Becker, Mariental 24, 99817 Eisenach, Thüringen,

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16 sind mitgekommen, darunter:

  • Patricks Benutzerbild Patrick
  • Nicoles Benutzerbild Nicole
  • Nadines Benutzerbild Nadine
  • Manuels Benutzerbild Manuel

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Montag

Die im Vergleich zum Vorjahr leider noch einmal geschrumpfte Gruppe der Herbstfahrer von nunmehr 16 Personen inklusive vier Betreuern traf sich am Montagmorgen auf dem Parkplatz vor dem Sportzentrum, voller Spannung auf die nun folgende Woche in Eisenach, der Geburtsstadt Bachs unterhalb der Wartburg, dem Ort, an dem Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte.

Nachdem wir losgefahren waren, machten wir um die Mittagszeit einen Zwischenaufenthalt in Kassel, doch keineswegs nur, um uns die Beine zu vertreten – nein, es stand direkt der erste Tagespunkt auf dem Terminplan: Wir besuchten das Herkulesdenkmal auf dem Oktogon oberhalb von Schloss Wilhelmshöhe und dem dazugehörenden größten europäischen Bergpark mit Kaskaden, den langsam den Berg herunterfließenden Wasserfällen. Leider konnten wir dieses künstlich angelegte Spiel des nassen Elements nicht beobachten; wir waren einfach zur falschen Zeit da.

Trotzdem noch immer ziemlich fasziniert von der Größe des Wasserparks und der Herkulesstatue kamen wir kurz nach 18 Uhr in der Jugendherberge an. An einem kleinen Hang gelegen war sie innerhalb weniger Minuten von der Innenstadt Eisenachs aus zu Fuß zu erreichen.

Die Räumlichkeiten waren ansehnlich: zwar nicht zu allzu groß, aber dafür hatten die Sechserzimmer sogar Dusche und WC. Binnen kurzer Zeit mussten wir die Koffer und Rucksäcke anschließend aus den Autos in die Zimmer befördern, da es eigentlich schon um 18 Uhr Essen gegeben hätte. Trotz kleiner Verspätung war selbiges noch warm, über die Qualität lässt sich streiten.

Nach dem Essen fanden wir uns im Aufenthaltsraum zusammen, direkt neben dem Speisesaal gelegen und ausreichend im Platz für unsere ja nun nicht gerade riesige Gruppe. Erste organisatorische Sachen wurden besprochen, einige Spiele veranstaltet und das wohl gleichermaßen beliebte wie gehasste „Mein bester Freund“ gestartet, bei dem jeder zu einer ihm zugelosten Person die Woche über besonders freundlich sein muss (oder es zumindest versuchen sollte). Das Spiel erübrigte sich aber eigentlich, da wir natürlich alle äußerst nett zueinander waren.

Genauso natürlich waren wir auch um 22 Uhr im Bett und schliefen brav.

Dienstag

Neuer Tag, neuer Stress: Monika, Gudrun, Günter und Udo scheuchten uns bereits um 7:30 Uhr aus den Federn. Völlig unnötig, es gab doch erst um 8 Uhr Frühstück. Nach selbigem und anschließender eiliger Taschengeldausgabe fanden wir uns bald alle auf dem Platz vor der Jugendherberge zusammen, um gemeinsam zu einer Stadtführung zu marschieren. Mit unserer Ankunft stieß auch Frau Husemeyer, unsere Stadtführerin, zu uns. Über das Geburtshaus Bachs ging es zum Lutherhaus, in dem Martin Luther während seiner Schulzeit Unterschlupf bei einer Gastfamilie fand. Im Gegenzug gab er dem Sohn der Familie dafür Nachhilfeunterricht.

Nächste Station war die Georgschule, die Luther besucht hatte und die in direkter Nachbarschaft zur Georgkirche lag. Als wir auf dem Platz vor der Kirche standen, fiel uns ein schräger Turm ins Auge. Er sei bekannt als »Schiefer Turm von Eisenach«, erklärte uns Frau Husemeyer – und sie wusste noch einiges mehr darüber zu erzählen, was sowieso auf die gesamte Führung zutraf. Sie erklärte alles sehr freundlich, geduldig und immer so, dass auch die Jüngsten in unserer Gruppe alles gut verstanden.

Anschließend gingen wir in die Georgkirche. Als wir herein kamen, fing gerade ein Chor aus den Niederlanden an zu singen. Sie waren, wie auch wir, nur Touristen, sangen nicht schlecht und die Musik passte auch. Ihr Problem war nur, dass sie sehr lustig drauf waren, weshalb manche auch nicht 100-prozentig textsicher waren. Nach diesem kleinen Gratiskonzert schauten wir uns noch etwas in der Kirche um und entdeckten eine Ausstellung über die Geschichte der Kirche.

Ihren Namen hat sie, wie auch die Georgschule, vom Schutzpatronen der Stadt, dem heiligen Georg. In der langen Geschichte der Kirche predigte hier schon Luther und Bach wurde hier getauft. Doch auch, als wir wieder aus der Kirche herauskamen, wurden wir weiter mit dem Drachentöter Georg konfrontiert. Auf dem Platz vor der Kirche steht nämlich ein Brunnen, auf dem ein goldener Georg gerade erhobenen Hauptes einen wirklich sehr kleinen Drachen zur Strecke bringt – eher niedlich als Respekt einflößend.

Gegenüber des Brunnens steht das Schloss des Landgrafen Ernst August. Laut Frau Husemeyer soll er einen sehr großzügigen und verschwenderischen Lebensstil gepflegt haben, die Namensverwandtschaft zum aus der Boulevardpresse bekannten Gatten der Tochter des Fürsten von Monaco sei jedoch rein zufällig.

Doch wieder zurück zum Schloss: Hier habe schon Goethe gearbeitet, genau an der Stelle, an der noch wenige Jahre zuvor das Haus einer seiner Freundinnen gestanden hat, weshalb er sich dort auch nicht wirklich wohl gefühlt habe, wie aus Briefwechseln mit seiner Frau Stein zu erfahren wäre.

Zwischen Brunnen und Schloss allerdings lag noch eine Sehenswürdigkeit der Stadt, die Via Regia, die Königsstraße. Sie war im Mittelalter eine der wichtigsten europäischen Handelsrouten, führte von Kiew nach Paris und ist einer der Hauptgründe, weshalb Eisenach eine wohlhabende Stadt wurde.

Nach so vielen Informationen auf einem Fleck war es mal wieder Zeit für einen Ortswechsel. Doch schon wenige Meter weiter waren wir an der nächsten Sehenswürdigkeit: Dem schmalsten bewohnten Haus Deutschlands. Es war so schmal, dass (der zugegebenermaßen doch ziemlich große) Christian von einem zum anderen Ende packen konnte. Leider endete die Stadtführung hier aber auch schon fast, denn wir waren wieder so gut wie am Platz vor dem Bachhaus. Eisenach sei früher einfach nicht größer gewesen, so Frau Husemeyer, wir hätten eigentlich die komplette Altstadt gesehen. Und so endete diese wirklich gute, einprägsame und unterhaltsame Führung.

Leider sollte es die einzige dieser Art an diesem Tag bleiben, denn als nächstes stand die Wartburg auf dem Programm. Nach einer etwa halbstündigen Wanderung den Berg hinauf, vorbei an den Eseln Günter, Monika und Elmar erreichten wir besagtes Gebäude. Nachdem sich alle vom anstrengenden Marsch erholt und etwas gegessen hatten, stellten wir uns in die Warteschlange.

Los ging es im ehemaligen Pferdestall. Zwar beeindruckt von den inzwischen prachtvoll verzierten Wänden fiel uns aber direkt die extrem gelangweilte und monotone Sprechart unserer Führerin auf, wohl der Hauptgrund, warum bereits nach etwa zwei Minuten kaum einer mehr ernsthaft zuhörte. Die Burg sei von Ludwig dem Springer gegründet worden, der beim Anblick des Berges, auf dem die Wartburg steht, »Wartberg, du sollst mir eine Burg werden!« gesagt haben soll. So blieben die einzigen Erinnerungen an die Innenräume der Burg also die Wandbilder, nicht aber die entsprechenden Beschreibungen dazu. Folglich quälten wir uns vorbei am Herren- und am Damenzimmer sowie an einer kleinen Kapelle und einigen anderen Zimmern und kamen zum Ende der Führung in den Rittersaal mit beeindruckender Kassettendecke. Es erklang Musik aus dem Tannhäuser und alle waren imponiert von dem riesigen Wandgemälde, das dasselbe Zimmer darstellt, in dem es hing.

Wir konnten uns im Anschluss an die Führung noch ausgiebig im hauseigenen Museum an Informationen über Luther sowie der größten Bestecksammlung der Welt und anderen äußerst interessanten Daten, Fakten, Bildern, Statuen, Büchern etc. sattsehen, um schlussendlich im erstaunlich bescheiden ausfallenden Lutherzimmer anzugelangen, von wo aus man, vorbei an einem Souvenirladen, wieder ins Freie gelangen konnte. Trotz einiger Kuriositäten in Sachen Führung und Museum besannen wir uns wieder darauf, dass wir uns an einem äußerst geschichtsträchtigen Ort befanden und warteten geduldig darauf, dass auch die Letzten das Museum von vorne bis hinten inspiziert hatten.

Anschließend ging es auch schon wieder hinab ins Tal, wo wir uns gegen 15:30 Uhr auf dem Platz vorm Bachhaus wiederfanden. Wir teilten uns zum Shoppen in mehrere kleine Gruppen auf und hatten anderthalb Stunden die Möglichkeit, die Stadt noch mal alleine unsicher zu machen. Nachdem Postkarten und Souvenirs gekauft waren, ging es ab 17 Uhr wieder zurück in Richtung Jugendherberge. Die Zeit bis zum Essen hatten wir zur freien Verfügung, danach machten sich die meisten schon ans Kartenschreiben, andere nutzten die freie Zeit für einen Spieleabend, allerdings nicht zu ausgiebig, denn der Marsch zur Burg und zurück sowie die Rennerei durch die Stadt hatte bei einigen der durchtrainierten Schwimmerbeine doch Spuren hinterlassen.

Mittwoch

Auch am Mittwoch ging es wieder um 7:30 Uhr aus den Federn. Natürlich komplett ohne Murren saßen wir alle pünktlich um 8 Uhr am Frühstückstisch. Das Programm des Tages war wiederum sehr kompakt aufgestellt; es ging zum Rennsteig.

Dieser große Wanderweg durch Thüringen beginnt nämlich in Eisenach. Wir machten uns jedoch, zugegebenermaßen mit dem Auto, zu einem anderen Punkt des Rennsteigs auf, nämlich Oberhof.

Das bekannte Skisprung- und Biathlonzentrum kreuzt den Rennsteig und wir ließen es uns nicht entgehen, als Sportler alles ausführlich zu betrachten, auch wenn Schwimmen nicht allzu viel mit diesen Wintersportarten zu tun hat.

Als nächstes nutzten wir die Gelegenheit, selbst ein Stück auf dem Rennsteig zu wandern. Wir kamen dann nach etwa einer Stunde an einem Aussichtspunkt an. Nach einer kurzen Verweildauer ging es wieder zurück zum Biathlonzentrum, wobei es schon eine ganze Weile gedauert hat, bis sich alle wieder am Treffpunkt eingefunden hatten. Nach der für einige äußerst anstrengenden Wanderung war nun Entspannung pur angesagt, denn wir machten uns auf in ein nahegelegenes Vergnügungsbad.

Da wir als »Beinahe-Profischwimmer« mit Schwimmbadwasser sonst ausschließlich im Sportbecken in Berührung kommen, war es eine große Genugtuung, einmal den Whirlpool zu genießen, gegen den Strömungskanal anzukämpfen, auf der Wildwasserrutsche zu tollen oder einfach nur entspannt im ruhigen Wasser zu liegen.

Für einen schönen Abschluss des Tages sorgte ein Essen beim Italiener, wo es äußerst lecker war. Erschöpft aber glücklich ging es am Abend in die Betten.

Donnerstag

Auch am Donnerstag war das Programm wieder proppevoll. Nach dem Frühstück ging es auf eine längere Reise durch Thüringen, die uns zunächst in die Marienglashöhle führte. In diesem Untertagebau wurde früher Gips abgebaut. Die Führung war informativ und gewährte uns auch Einblicke in das Arbeitsleben der ehemaligen Bergleute mit hinter Vitrinen zu bestaunenden Werkzeugen und Arbeitskleidung. Überall waren auch wunderbar glänzende Steine in den Wänden zu sehen und der Führer, der immer einen (mehr oder weniger neuen) Scherz auf Lager hatte, erklärte uns, dass das Gipskristalle seien, die auch abgebaut wurden und ehemals ganze Räume der noch nicht vorhandenen Höhle füllten. Früher, so war von ihm zu vernehmen, war das gesamte Gebiet, in das die Bergleute diese künstliche Höhle gruben, mit Gips und Gipskristallen bedeckt und das, was man an den Wänden sehen könne, seien nur noch winzige Überreste von dem, was einst in diesem Gebiet tatsächlich an Gipskristallen zu finden war.

Auch der nächste Programmpunkt war eher geschichtlich geprägt. Der Tobiashammer in Ohrdruf, eine frühere Schmelzhütte, in der schon ab 1482 – nur durch Wasserkraft angetrieben – drei riesige Hämmer auf das Eisen einschlugen. Und bereits 1853 konnte man durch ein Walzwerk Kupferblech auf 0,3 mm plätten, was damals absoluter Rekord war. Das 1979 zum Museum umfunktionierte Gelände beinhaltet zudem die größte Dampfmaschine Europas sowie auf den Freiflächen verteilt Kunstwerke aus Eisen, die in einem jährlich stattfindenden Symposium geschaffen werden.

Auch wenn alle sehr beeindruckt von der Größe und Kraft der Maschinen waren, gerade in Bezug auf ihr Alter, waren die ganzen technischen Sachen eher etwas für die Größeren, weshalb als nächstes der Besuch der Kuscheltierfabrik Steiner anstand, damit auch die Kleineren unter uns nicht zu kurz kamen. Die sehr interessante Führung hat es wohl jedem, auch den nicht unbedingt plüschtierfanatischen Mitfahrern unter uns, angetan. Die freundliche Führerin ging voll in ihrer Sache auf, sie erzählte uns mit Begeisterung, dass Steiner im Prinzip nur etwas für Liebhaber ist, da alle Tiere handgearbeitet sind und deshalb einen relativ hohen Preis haben, weshalb die Tiere eigentlich gar nicht im normalen Handel zu erwerben sind. Wir konnten den Näherinnen über die Schultern schauen und miterleben, wie kompliziert es ist, die einzelnen Teile eines Plüschtieres miteinander zu vernähen und es anschließend auch noch auszustopfen. Doch vor allem die überall in der Produktionsstätte verteilten lebensgroßen Tiere wie Bären und Pferde sowie die motorisierten, sich bewegenden Tiere zogen die aufmerksamen Blicke auf sich. Am Ende der Führung konnten viele im hausinternen Shop nicht widerstehen und kauften sich ein kleines Plüschtier als Andenken.

So waren am Ende dieses Tages alle sehr zufrieden, sowohl die technisch Versierten als auch die an Geschichte interessierten, die Kuscheltierfans gleichermaßen wie die Edelsteinliebhaber.

Freitag

Am Freitag stand der wohl schwierigste Programmpunkt der Herbstfahrt stand auf dem Plan: Ein Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald.

Schon die Fahrt dorthin gestaltete sich als pannenreich, da Udos Auto den Geist aufgab. So mussten sich die anderen, etwas in die übrigen Autos gequetscht, ohne Udo und Gudrun, die den Wagen zur Reparatur brachten, alleine auf den weiteren Weg machen. Vorbei an den Großstädten Erfurt und Weimar verwandelte sich die Straße, sobald wir von der Autobahn heruntergefahren waren, in eine Ruckelpiste, doch nachdem einige bereits Übelkeit proklamiert hatten, waren wir schließlich doch auf dem Parkplatz vor Buchenwald.

Zunächst gingen wir zu einem Museum, welches die Geschichte der Anlage und den Umgang mit dem Ort zu Zeiten der russischen Besatzung und der DDR veranschaulichte. Fotos, Zeitzeugenberichte und Filme verschafften uns einen guten Einstieg in das Programm des Tages.

Anschließend gingen wir etwas weiter zu dem schon von der Autobahn aus zu sehenden Mahnmahl, ein riesiger Turm, an dessen Seiten jeweils ganz oben in römischen Ziffern »1945« stand, die Jahreszahl des Kriegsendes und damit der Befreiung der Häftlinge aus den KZ. Hinter dem Mahnmal ging es eine Treppe hinunter zu einem langen Weg, der einseitig gezäumt von großen Steinblöcken war, auf denen die Ländernamen standen, aus denen die Opfer von Buchenwald kamen. Außerdem gab es mehrere große Löcher, in denen nach Kriegsende die Asche vieler verstorbener KZ-Opfer verstreut wurde. Als wir am Ende des Weges eine andere Treppe wieder hinauf gingen, fielen uns wiederum große Steinblöcke ins Auge, die nun auf der einen Seite aber ein Gedicht eines Buchenwald-Überlebenden wiedergaben und auf der anderen Seite ein dazu passendes, in den Stein gemeißeltes, Bild darstellten.

Eine sehr eindrucksvolle und bedrückende Mahnung an kommende Generationen, dass so etwas wie die Nazi-Zeit nie wieder passieren darf, war auch der nächste Platz, den wir uns anschauten. Es war ein riesiger Friedhof, voll mit Massengräbern. Einige gaben sich Mühe, die Namen der identifizierten Toten zu lesen, doch schon bald gaben sie dieses Unterfangen auf – teils aus Trauer und Bedrückung, teils aber auch, weil man von dieser riesigen Anzahl an Namen, die dort standen, sinnbildlich erschlagen wurde. Es ist schlicht unerklärlich, wie so viele Menschen an einem Ort getötet worden sein können.

So fuhren wir betrübt zu einem anderen Parkplatz auf dem weitläufigen Gelände, der sich direkt vor dem Eingang zum eigentlichen Konzentrationslager befand.

Nach einer Wartezeit machten wir uns zu einem Besuch im hauseigenen Filmsaal auf, wo ein eindringlicher Film über die Leiden der ehemaligen KZ-Häftlinge gezeigt wurde.

Abschließend ging es zum Haupteil des Areals, das KZ selbst. Schon vor den Toren schockierte uns der ehemalige Privatzoo des KZ-Leiters, der sich in Blickweite der Insassen einen solchen Luxus leistete. Direkt daneben befand sich die sogenannte »Karachostraße«, die so heißt, weil die neu ankommenden Häftlinge mithilfe von Kampfhunden über die Straße vom Bahnhof zum Eingang gejagt wurden, ein Szenario, das man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann und mag.

Im KZ schließlich konnte man sich einen Eindruck vom Leben der ehemaligen Häftlinge machen. An den Stellen, wo früher die Schlafbaracken gestanden hatten, war nun schwarze Asche aufgeschüttet, sodass man sich ungefähr vorstellen konnte, wie wenig Platz ein jeder in den vergleichsweise kleinen Hütten gehabt haben muss. Vor der Kantine des KZs kann man noch den Stamm des Goethe-Baums sehen. Goethe soll an diesem Baum, lange bevor die Nazis hier ihre Gräueltaten begehen konnten, viel Zeit verbracht haben.

Da es schon recht spät war, mussten wir uns beeilen, noch den letzten Punkt des Tages anzusehen, nämlich eine Ausstellung mit Bildern, Skulpturen und Schnitzereien von ehemaligen KZ-Häftlingen. Die vornehmlich düsteren Kunstwerke zeigten verkrüppelte Menschen und teilweise auch Angst ausstrahlende Skizzen und Linien, die die Gefühle der Zeichner rüberbrachten. Einige der Künstler reagierten aber auch mit Sarkasmus auf ihre Gefangenschaft, malten Karikaturen von SS-Soldaten oder Hitler oder schrieben ganze Bildergeschichten über die Zustände im KZ auf. Wiederum andere versuchten, auch in einem solch deprimierenden Ort wie einem KZ noch Licht zu sehen und gestalteten mit einfachsten Mitteln wunderschöne, bunte Wandgemälde, einfach nur an die Holzbretter der Baracken gemalt. Blumen waren da zu sehen, ein hell erleuchtetes Fenster oder ähnliches. Doch nachdem uns die Wächter signalisierten, dass es langsam Zeit wäre, zu gehen, wollten wir uns auch nicht länger als nötig an diesem schaurigen, ermahnenden Ort aufhalten.

So machten wir uns wieder auf zum Parkplatz, auf dem wir dann auch Gudrun und Udo mit einem Leihwagen wiedertrafen, auf die natürlich sofort eine Flut von Informationen und Erlebnisberichten prasselte. Wir entschlossen uns, nach diesem psychisch anstrengenden Tag keine weiteren Unternehmungen mehr zu starten, sondern die Eindrücke des Tages in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Samstag

Der Samstag war leider schon wieder der letzte Tag der Herbstfahrt 2004. Es hieß, die Sachen in die Koffer und Taschen zu verstauen und noch einmal das Frühstück zu verzehren, bevor es endgültig losging. Auf der Rückreise fuhren wir zuerst noch etwas weiter in Richtung Osten zu einem Meeresaquarium in Zella-Mehlis, das eigentlich eine Ansammlung von sehr vielen, auch immer noch sehr großen, Aquarien war.

Man konnte Haie sehen, exotische Fische, Schildkröten und ein Raum war sogar voll mit Krokodilen (natürlich hinter Gittern). Nach einer ganzen Weile voller bewundernder und faszinierter Ah- und Oh-Rufe hatten auch die Letzten alles gesehen und wir genehmigten uns noch eine Portion Pommes im hauseigenen Restaurant.

Vorbei an Eisenach und den anderen Orten, die wir schon bei der Hinfahrt gesehen hatten, ging es wieder westwärts nach Hause. Ein kleineres Problem gab es noch in der Düsseldorfer Innenstadt, als man plötzlich die Orientierung verloren hatte und erst einmal gerätselt wurde, wo es denn jetzt eigentlich weiter zu gehen hat. Doch nach einigem hin und her fanden wir auch wieder aus dem Betondschungel Düsseldorf heraus. Pünktlich um 20:30 Uhr wurden wir wieder wohlbehalten am Freizeitzentrum abgeliefert und konnten von unseren freudestrahlenden Eltern in Empfang genommen werden.

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