31. Okt.

Herbstfahrt 2011: Wernigerode

Montag, 31. Oktober ab 7 Uhr bis Samstag, 5. November gegen 17 Uhr

Treffpunkt: 
Düsseldorf Hbf, Gleis 17
Alter: 
8–18 Jahre
Eigenbeteiligung: 
175 €
Betreuer: 
Nadine, Stephanie, Christian, Michael, Patrick
Jugendherberge, Am Eichberg 5, 38855 Wernigerode, Sachsen-Anhalt,

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25 sind mitgekommen, darunter:

  • Patricks Benutzerbild Patrick

Anmeldung (PDF, 149 KB)

Infoblatt für die Teilnehmenden (PDF, 106 KB)


Es ging groß durch die Presse: am 31. Oktober 2011, dem ersten Herbstfahrt-Tag, lebten zum ersten Mal sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Das heißt, dass 0,0000000035714285714 Prozent der Weltbevölkerung mit auf Herbstfahrt fuhren: immerhin 20 Kinder und fünf Betreuer nämlich. Ziel war Wernigerode im Harz. Die Jugendherberge liegt im Wernigeröder Stadtteil Hasserode, nur etwa zehn Kilometer Luftlinie vom Brocken entfernt und mit schönem Blick direkt auf Wernigerode und das Wernigeröder Schloss.

Montag

Die erste Nachricht am frühen Morgen war recht traurig: Leider war ein Kind noch kurzfristig krank geworden. Da in Hannover noch drei Kinder zustiegen und in Wernigerode selbst noch ein weiteres Kind zu uns stieß, erleichterte sich die Rechnerei am Düsseldorfer Hauptbahnhof ungemein, als sich dort um 7 Uhr morgens genau 0,000000003 Prozent der Erdenbürger zusammen mit vielen Eltern trafen. Diese erstgenannten 21 Menschen erwischten pünktlich um 7:34 Uhr den InterCity in Richtung Ostseebad Binz. Ganz so weit in den Norden mussten wir aber nicht, deshalb stiegen wir in Dortmund schon wieder um. Die Zeit war zwar einigermaßen knapp, aber selbst unsere schwerfällige Gruppe schaffte es in knapp fünf Minuten einmal über den Bahnsteig auf das gegenüberliegende Gleis. Beim letzten Umstieg in Hannover gab es keine besonderen Vorkommnisse. Selbst die Umstiegszeit von einer halben Stunde war sehr human, zumal wir wiederum nur einmal über den Bahnsteig gehen mussten. Etwas seltsam wurde es dann im Zug, wo der Schaffner verlangte, dass jedes Kind ein eigenes Ticket haben müsse. Bisher genügte es allen Schaffnern, denen wir auf all unseren Herbstfahrten begegnet sind, wenn Christian den Bogen mit allen Tickets vorzeigte. »Unser« Schaffner verwies aber auf einen Lerneffekt, der den Kindern dadurch verwehrt bliebe. So mussten wir alle Tickets voneinander trennen und austeilen. Nachdem der Schaffner jedes Ticket bei jedem Kind abgestempelt hatte (was die benötigte Zeit etwa verdreiundzwanzigfachte), sammelten wir sie natürlich wieder ein, damit keins verloren geht. Das war der Lerneffekt.

Nach einer kleinen Irrfahrt mit dem Bus durch Wernigerode kamen wir um 13:30 Uhr an der Jugendherberge an. Schnell teilten wir die Zimmer auf und machten uns nach einem kurzen Verschnaufen auf zu einer Stadtführung.

Da wir ein wenig zu früh in der Stadt waren, gaben die Betreuer noch ein Eis aus. Danach ging die Stadtführung von 15:30 bis 16:40 Uhr, beschränkte sich allerdings hauptsächlich auf einen Bereich rund um das Rathaus und einige Zoten. Zum Glück ist die Innenstadt nicht sonderlich groß, sodass wir trotz des engen Radius’ zusätzlich zum Rathaus auch bedeutende Gebäude wie die Silvestrikirche und das Schiefe Haus von Wernigerode sahen. Im Anschluss sahen wir uns noch ein wenig ohne Führung um und entdeckten dabei zum Beispiel das »Kleinste Haus«, das zwar so heißt, aber eindeutig breiter wirkte als das kleinste bewohnte Haus Deutschlands, das wir auf der Herbstfahrt 2004 in Eisenach sahen.

Zurück in der Jugendherberge war endlich Zeit, die Koffer auszupacken und die Betten zu beziehen, bevor es dann um 18 Uhr beim Essen die große Überraschung gab: Entgegen aller Klischees fanden wir keine Spaghetti Bolognese am Buffet vor. Stattdessen: Kartoffeln, Gulasch, Mischgemüse und Kürbiskernsuppe. Immerhin: auch die Nudelfreunde kamen in Form von Nudelsalat nicht zu kurz. Insgesamt: Durchaus lecker, wobei der Hunger den Geschmack durchaus beeinflusst haben könnte.

Als nächstes standen die unvermeidlichen Kennenlernspiele an. Einige Kinder bekamen sie aber nur noch eingeschränkt mit; schon beim Essen fielen den Ersten die Augen zu.

Dienstag

Beim Wachwerden wurde klar, warum Sachsen-Anhalts Wahlspruch »Wir stehen früher auf« ist: Um Punkt 7 Uhr gingen Sirenen los, die ganz Wernigerode (und gefühlt das gesamte Bundesland) aus dem Bett schmissen. Dazu kamen weitere Sirenen in der Jugendherberge, und zwar aus Kindermündern. Die anfänglich verdächtigten Schwimmverein-Kinder waren aber zum Glück völlig unschuldig.

Was wirklich nötig war: geöffnete Geschäfte. Nach dem vorhergehenden Reformationstag nutzten wir die Gelegenheit direkt, um Brötchen und Getränke für die Gruppe einzukaufen, bevor wir erst mit dem Bus nach Schierke fuhren und dann wandernd den Brocken erklommen. Wegen des just an diesem Tag begonnenen Winterfahrplans konnten wir leider nicht mit der Harzer Schmalspurbahn hochfahren. Das Wetter aber war prächtig und auch das Frühstück dürfte dazu beigetragen haben, dass die Laune während der Wanderung sehr gut war.

Immer wieder waren Vergleiche mit der großen Wanderung bei der Vorjahres-Herbstfahrt zur Kanzelwand und zum Fellhorn zu hören. Einstimmig einigte man sich darauf, dass der Aufstieg in diesem Jahr zweifellos, ganz sicher und unumstößlich viel schwieriger sei. Das Gelände zumindest ist tatsächlich schwieriger zu begehen; der Berg ist hier mit vielen großen Granitblöcken übersäht. Hier und da liegen die Steine, gleichsam ein Tor bildend, übereinander, und oben darauf stehen die Bäume, die nackten Wurzeln über jene Steinpforte hinziehend, und erst am Fuße derselben den Boden erfassend, so dass sie in der freien Luft zu wachsen scheinen. Allerliebst schossen die goldenen Sonnenlichter durch das dichte Tannengrün. Eine natürliche Treppe bildeten die Baumwurzeln. Überall schwellende Moosbänke; denn die Steine sind fußhoch von den schönsten Moosarten, wie mit hellgrünen Samtpolstern, bewachsen. An manchen Orten sprudelt das Wasser aus den Steinen und Wurzeln stärker hervor und bildet kleine Kaskaden. Da lässt sich gut sitzen. Wir setzten uns wieder und wieder nieder zu einem Déjeuner dînatoire, das aus Käse und Brot bestand, doch zwischen den Pausen war ab und zu auch etwas Zeit zum Wandern. Je höher man den Berg hinaufsteigt, desto kürzer, zwerghafter werden die Tannen, sie scheinen immer mehr und mehr zusammenzuschrumpfen, bis nur Heidelbeer- und Rotbeersträuche und Bergkräuter übrigbleiben. Da wird es auch schon fühlbar kälter. Die wunderlichen Gruppen der Granitblöcke werden hier erst recht sichtbar; diese sind oft von erstaunlicher Größe.

So brauchten wir – ganz angetan von der Schönheit der Natur – über vier Stunden nach oben. Auch Mephisto muss mit Mühe Atem holen, wenn er seinen Lieblingsberg ersteigt; es ist ein äußerst erschöpfender Weg, und wir waren froh, als wir endlich das langersehnte Brockenhaus zu Gesicht bekamen. Wir ruhten uns kurz draußen aus, entschlossen uns dann aber – nicht zuletzt wegen der Kälte – einen Rundgang durch das Brockenmuseum zu wagen. Hier ist mit viel Gespür für interessante Details die Natur-, Gesellschafts- und Militärgeschichte des Bergs ausgestellt. Leider verschwamm dadurch etwas der Fokus; das schnelle Umschalten von der Brockenfauna über Hexensichtungen hin zum militärischen Sperrgebiet »Brockenkuppe« gelang nicht immer nahtlos. Einen schönen Abschluss bot aber die Aussichtsplattform auf dem Dach des Brockenhauses, auf der wir noch ein Gruppenbild machten.

Dann mussten wir auch schon wieder hinunter eilen, um die Harzer Schmalspurbahn zurück nach Wernigerode zu erwischen, denn die Sonne stand inzwischen sehr tief und Motivation für einen Abstieg zu Fuß war sowieso nicht mehr vorhanden. In der Jugendherberge gingen wir direkt in den Speisesaal, denn es war schon nach 18 Uhr, bis uns die Brockenbahn entlassen hatte. Dieses Mal war es tatsächlich klischeehaftes Jugendherbergsessen: Nudeln mit Bolognesesoße, dazu drei verschiedene Nudelsalate. Wer Nudeln nicht mochte, war arm dran, alle anderen befanden sich im Schlaraffenland.

Nach dem Essen starteten wir im Rahmen der üblichen abendlichen Spielerunde ein besonderes Spiel, das die gesamte Woche über lief und den Enthusiasmus der Kinder packte: »Mörder« hört sich zwar brutal an, ist aber eigentlich ganz harmlos und beißt nur, wenn es geärgert wird. Alle Teilnehmenden müssen hierbei einer zugelosten Person einen beliebigen Gegenstand überreichen. Nimmt diese Person den Gegenstand an, ist sie »ermordet«. Die »mordende« Person aber bekommt von der »getöteten« deren »zu ermordende« Person übertragen. Am Ende der Woche sollte dann nur noch eine Person übrig bleiben, die es geschafft hat, auch ihrem letzten Opfer durch Tricks einen Gegenstand zu überreichen.

Mittwoch

Wer dachte, am Vortag sei der symbolische Kilometergipfel bereits überschritten gewesen, sah sich eines Besseren belehrt: Schon der Weg zur Bushaltestelle war bedeutend länger als üblich, weil der Überlandbus nur mitten in Wernigerode hält und wir den Weg zu Fuß zurücklegten. Eben dieser Überlandbus brachte uns nach Elbingerode ins Schaubergwerk Büchenberg. Wir wurden kundig herumgeführt, nur die vielen Witze nervten nach einer Weile. Zwischen den Witzen war aber immer wieder Zeit, die Lautstärke zu demonstrieren, der die Bergleute bis 1970 unter Tage ausgesetzt waren. Zum Schluss hatten dann alle verstanden: sie ist hoch.

Direkt danach eilten wir wieder zur Bushaltestelle. Nächster Halt war die Hermannshöhle, eine der zwei Schautropfsteinhöhlen im schmiededunkeln Rübeland. Hier fing die große Wanderung an: Mehr als einen Kilometer wurden wir kreuz und quer durch die wunderschöne Höhle geschleust, über mehrere Ebenen und vorbei an tausenden Stalakmiten, Stalaktiten und Stalagnaten; durch eine Fledermaushöhle, über einen Bärenfriedhof und mit Blick auf die einzigen ungefähr 13 Grottenolme Deutschlands. Noch faszinierender als die Kunstwerke der Natur war nur, wie viel es darüber offenbar zu berichten gibt.

Von Rübeland aus wollten wir eigentlich kurz zur höchsten Staumauer Deutschlands, der Rappbode-Talsperre, wandern. Leider wurden wir aber von einem Rentnerehepaar (vielleicht unwissentlich) auf die falsche Fährte gelockt, als wir sie fragten, ob es dorthin auch einen Weg abseits der bürgersteiglosen Landstraße gebe. Sie erklärten uns den Weg durch einen Wald, der zwar etwas uneben, aber dafür sehr viel kürzer als die Schnellstraße sei. Wir schlugen den angegebenen Weg ein und fanden uns schnell tatsächlich im Wald wieder – nur ein Weg war weit und breit nicht zu sehen. Die Letzten in der Gruppe hatten immerhin den Vorteil, den Fährten von über 20 Vorauseilenden zu folgen, dafür konnten die Führenden sich an mutmaßlichen Wildschweinpfaden orientieren. Menschen jedenfalls hatten sich hier augenscheinlich schon lange nicht mehr aufgehalten oder fortbewegt. So war bald klar: Der vom Rentnerehepaar vorgeschlagene Waldweg war gar keiner. Zurück konnten wir aber auch nicht mehr, ein Abstieg in diesem steilen Gelände wäre viel zu schwierig gewesen. Wir versuchten also, uns mithilfe diversen digitalen Kartenmaterials eine Schneise zurück in die Zivilisation zu schlagen, was sich wegen schlechter Netzabdeckung in diese Gebiet als ziemlich schwierig erwies. Immerhin schafften wir es aber aus dem Wald heraus. Auf einem Plateau mit Jägersitz machten wir Pause und trauten unseren Augen kaum, weil uns das Antlitz der Umgebung in sonnigster Pracht entgegen leuchtete. Aus allen Zügen hauchte eine kolossale Zärtlichkeit, und aus der bezwungenen Felsenbrust drang es hervor wie Sehnsuchtseufzer und schmelzende Laute der Wehmut. Die Straße aber hatten wir immer noch nicht gefunden und so mussten die letzten verbliebenen Pfadfinderkenntnisse herhalten, mit denen wir uns an der Sonne orientierten und tatsächlich wieder zur Straße Richtung Talsperre fanden.

Mittlerweile war es aber so spät geworden und die Kinder so erschöpft, dass die Aussichts- eher einer Ausruhplattform glich. Trotzdem schafften wir es sogar noch auf den Damm selbst, mussten dann aber auch schon schnell zur Bushaltestelle schlurfen, weil der Bus in dieser Gegend nur einmal stündlich erscheint. An dem Weg, den der Busfahrer dann zurücklegte, wurde unmittelbar klar: Die Waldstrecke, für die wir mehrere Stunden gebraucht hatten, hätte an der Straße entlang kaum eines kurzen Marsches von vielleicht 700 Metern entsprochen.

Zurück in der Jugendherberge fanden wir am Buffet Thüringer Rostbratwürste und Frikadellen vor. Ach, und 13 Salate, wie wir der stolzen Verkündigung des Kochs entnehmen durften.

Schon nach einem Tag »Mörder« ließ sich feststellen, dass sowohl Kinder als auch Betreuer offenbar recht gutgläubig sind und bereitwillig wie gedankenlos nahezu alles entgegennehmen, was man ihnen darreicht.

Was vom Tage übrig blieb: Viele wandelnde Tote. Und: Satellitenaufnahmen eines Gebietes sind zuverlässiger als die Aussagen Einheimischer.

Donnerstag

Den Donnerstag hat unsere Mitfahrerin Antonia zusammengefasst. Vielen Dank dafür.

1.: Viel zu lange Wege

2.: Genauso wenig Schlaf

Aber 3.: Eine Menge Spaß

Als dann endlich alle mit Frühstücken und Rucksack packen fertig waren, ging es los. Da wir ja vorher nie wissen, wohin wir fahren (»Lasst euch überraschen!«), waren wir auch heute wieder mal gespannt, wohin uns die lange Busfahrt (60 Minuten!) führen würde. Nach langem Fahren kamen wir schließlich am Hexentanzplatz an, auf dem es einige nette Kreaturen zu sehen gibt. Mit einer tollen Aussicht auf Berge und Dörfer hielten wir Mittagspause mit belegten Brötchen und gingen gut gestärkt weiter zum »Harzbob«, einer Sommerrodelbahn. Nach zwei, drei oder auch fünf Runden »stolperten« wir bergab (ja, es war sehr steinig) und hatten wieder 60 Minuten Busfahrt vor uns. So freuten wir uns auf ein Abendessen mit Chili con Carne, Nudeln und Reis und eine neue Spielerunde.

Freitag

Den letzten vollständigen Tag in Wernigerode verbrachten wir zunächst eben dort: in Wernigerode. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Fußweg zum Schloss Wernigerode. Es liegt etwa 100 Meter über dem Ort und rief direkt Vergleiche zum Schloss Neuschwanstein hervor, das wir auf der Herbstfahrt 2010 besucht hatten. Beide täuschen ihr Alter nur vor, weil sie erst im 19. Jahrhundert ihr Aussehen erhalten haben. Auch wenn das Wernigeröder Schloss nicht mit der Pracht und dem Pomp Neuschwansteins mithalten kann, ist es ein wirklich beeindruckendes Schloss, besonders, weil es auch tatsächlich jahrhundertelang bewohnt wurde und viele Gebrauchsgegenstände der ehemaligen Bewohner zu sehen waren. Trotz des ganzen Historismus’ blitzte immer wieder tatsächliche Historie in den Mauern auf, wenn die Schlossführerin etwa über die Bedeutung der Familie zu Stolberg-Wernigerode referierte, von denen Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode es sogar zum Vizekanzler des Deutschen Reichs unter Bismarck gebracht hatte. Insgesamt war die Führung für die meisten Kinder aber eher eine Überforderung, da viel Hintergrundwissen über die deutsche Geschichte, Geografie und Gesellschaft vorausgesetzt wurde.

Für den nächsten Programmpunkt mussten wir Wernigerode verlassen, weil wir mit dem Bus nach Derendorf in die Glasmanufaktur Harzkristall fuhren. Glanzlicht des Besuchs war eindeutig, dass wir selbst eine Dekokugel blasen durften, die sich zudem gut als Christbaumschmuck eignet. Aber auch die Führung durch die Fabrikhalle war durchaus interessant und mit ihren choreografierten Licht- und Toneffekten sowie kurzen anschaulichen Filmen vor allem sehr professionell aufgezogen. Für zumindest vorgebliche Spontanität war aber trotzdem Zeit, als wir die Glasbläser auch nach Ende der Führung noch eine Weile bei ihrer Arbeit beobachten durften. Das Fingerspitzengefühl und die Lungenfertigkeit dieser Menschen ist wirklich faszinierend. Anschließend blieb immer noch genügend Zeit für eine ausgiebige Besichtigung der Verkaufsräume und wer vermeiden wollte, dass bald sprichwörtlich vom ungelenken Schwimmer im Glasmacherladen die Rede sein wird, tobte sich einfach auf dem Spielplatz aus.

Der Tag fand sein Ende wiederum in unserem Herbergsort, wo wir auf eigene Faust in kleinen Gruppen Wernigerode erkunden durften. Während die Einen ausgiebig die vielen Fachwerkhäuser und sonstigen Sehenswürdigkeiten bestaunten, suchten die anderen ihr Glück lieber in den Häusern selbst, zumindest in jenen, die etwas zu Essen anboten. Hier spielte wohl weniger der Hunger als einfach die Abwechslung zu einer Woche Jugendherbergsessen die größte Rolle.

In der einsetzenden Dunkelheit machten wir uns ein letztes Mal mit dem Bus auf in Richtung Jugendherberge, aßen (mal mehr, mal weniger hungrig) ein letztes Mal das zwar nett drapierte und einige Male gar thematisch gestaltete, aber in seiner Qualität sehr abwechslungsreiche Jugendherbergsmahl und versammelten uns dann ein letztes Mal im Seminarraum. Zusätzlich zu den Spielen zogen wir auch Bilanz: Was hatte den Kindern gut, was weniger gut gefallen? Was braucht es, damit auch im Folgejahr wieder so viele motivierte und gut gelaunte Kinder mitfahren? Und für die Kinder besonders wichtig: wie kommt man eigentlich von einem Punkt zum anderen, ohne zu wandern?

Samstag

Bis zum Teil mit den öffentlichen Verkehrsmitteln lief bei der Rückfahrt alles in Ordnung: Die Koffer waren großteils schon am Vorabend gepackt worden; nur Kleinigkeiten, die wir am Morgen noch unbedingt brauchten, verlangten eine Sonderbehandlung. Das Frühstück ging schnell; der Gang zur Bushaltestelle ebenso. Dann aber war der Bus viel zu klein für uns; erst recht, als er sowieso nicht sonderlich leer war. Mit viel Humor auch der anderen Fahrgäste überstanden wir aber auch diese Quetschpartie.

Am Wernigeröder Bahnhof waren wir zunächst noch guter Laune; der nun folgende Zug würde ja wenigstens komfortabler sein, dachten wir. Auf dem Bahnsteig offenbarte sich jedoch schon die nächste Tragödie: die Anzeigetafeln wiesen 35 Minuten Verspätung für unseren Zug aus. So erkundeten wir die Gegend um den Bahnhof, machten letzte Fotos von der Harzer Schmalspurbahn, sangen einige Lieder und kauften noch etwas Proviant für die Fahrt.

Zwischendrin machte die Nachricht die Runde, dass sich die Verspätung auf 50 Minuten erhöht hatte, was aber gar nicht so sehr für neue Entrüstungsstürme sorgte, da mittlerweile abgeklärt war, dass wir in Hannover nicht in den IC umsteigen müssten, für den wir etwa eine halbe Stunde Umstiegszeit gehabt hätten, sondern ohne Aufpreis den ICE nutzen könnten, der uns zudem auch direkt nach Düsseldorf bringen würde. So blieb uns der zusätzliche, sowieso sehr knappe Umstieg in Dortmund auch erspart. Einziger Nachteil war, dass wir so laut Plan eine halbe Stunde später, also erst gegen 17 Uhr ankommen sollten.

Der Zug nach Hannover kam dann jedenfalls doch noch an und wertete den vorhergehenden Bus zu einem 5-Sterne-Hotel auf: für einen Regionalexpress war er geradezu lächerlich klein und gefühlt die Hälfte der Sitzplätze waren für die erste Klasse reserviert und also frei, während überall sonst alles überbelegt war. Etwa die Hälfte von uns hatte infolge diverser Halte und damit verbundener Ausstiege von Mitreisenden mittlerweile zwar einen Sitzplatz, dafür offenbarte sich aber mit zunehmender Reisedauer ein viel größeres Problem: die einzige Toilette an Bord war defekt und wir waren noch längst nicht in Hannover. Die Vorfreude auf den hoffentlich pünktlichen und hoffentlich real existierenden ICE mit hoffentlich freien Sitzplätzen war da auch kein großer Trost. Für eine Schrecksekunde sorgte außerdem, dass wir den Lerneffekt-Schaffner von der Hinfahrt wieder erblickten und schon panisch die Tickets austeilten, dann jedoch erleichtert feststellten, dass eben dieser Schaffner gar keine Anstalten machte, tatsächlich zu kontrollieren.

Auch der ICE ab Hannover war zwar überbelegt, sodass zunächst nur wenige einen Sitzplatz fanden, aber immerhin war der Boden mit Teppich ausgelegt, der sich, gemessen an der Alternative zu stehen, auch gut zum Sitzen eignete.

Im Rahmen der Verspätung pünktlich kamen wir um kurz nach 17 Uhr in Düsseldorf an. Schnell leerte sich das Bahngleis, am Ende waren die fünf Betreuer übrig und wischten sich symbolisch den Schweiß von der Stirn: Wieder eine Herbstfahrt ohne Verletzte und nennenswerte Verluste überstanden. Alle Kinder haben sich hervorragend benommen und so steigt jetzt schon die Vorfreude auf das kommende Jahr. Wohin es geht? Hier gebühren die letzten Worte wiederum Antonia, die es in ihrem Bericht so schön ausgedrückt hat: »Lasst euch überraschen!«

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